Der Ortsteil Dankersen hat mit Ulrich Nolte einen Ortsheimatpfleger

Ulrich Nolte möchte als neuer Ortsheimatpfleger Bewahrenswertes festhalten und Gestern mit Heute verbinden. Offenheit für einen Ort im Wandel ist für ihn selbstverständlich. Ein Interview.

Den offiziellen Händedruck durch Mindens Bürgermeister Peter Kock erhielt Ulrich Nolte am 19. Februar 2026. Seit diesem Stichtag ist er der neue Ortsheimatpfleger von Dankersen und folgt Siegfried Nolte im Amt. „Wir sind weder verwandt noch verschwägert“, betont Ulrich Nolte. Nach dem Tod von Siegfried Nolte am 13. Februar 2022 war der Mindener Ortsteil auf den Monat genau vier Jahre ohne einen solchen Ehrenamtler. Anlass genug für eine persönliche Vorstellung.

Was verbindet sie und ihre Familie mit dem heutigen Mindener Ortsteil und dem früheren Dorf?

Bis heute wohne ich mit meiner Familie an der Dankerser Straße 105, wo bereits meine Eltern gelebt haben. Erbaut von meinem Urgroßvater wurde das Haus 1907 bezugsfertig. Nach der Heirat im Jahr 1921 diente es meinem Opa und dessen Frau Eleonore, geborene Neitmann, als Zuhause. Durch die damalige Verbindung mit der Familie Neitmann reichen meine lokalen familiären Wurzeln weit zurück, denn über den Schmied Johann Neitmann existieren Aufzeichnungen aus den Jahr 1779. Was mich selbst betrifft gab es berufsbedingt einige Jahre der Abwesenheit von Dankersen, die ich in Australien verbracht habe. Danach hat es mich wieder zurück in die Heimat gezogen.

Wie kam es dazu, dass Sie sich für das Amt des Ortsheimatpflegers erwärmt haben?

Meine Interesse an Dankerser Geschichte wurde bereits vor vielen Jahren bei der Erstellung eines Stammbaums in Verbindung mit Familie Neitmann geweckt. Zusätzlich habe ich durch einen Freund Feuer gefangen, der sich seit einiger Zeit als Ortsheimatpfleger in der hiesigen Region engagiert. Ich konnte mir vorstellen, mich in diesem Sinne in Dankersen einzubringen. Der Dankerser Heimatverein, in dem ich selbst Mitglied bin, hat mich auf das kleine, bislang ungeordnete Archiv meines Vorgängers in den Räumen der Alten Turnhalle (ehemalige Grundschule) aufmerksam gemacht. Nach dem Motto „da ist viel zu tun!“ Schließlich wurde ich von Vertretern des Heimatvereins gefragt, ob ich Interesse am Amt des Ortsheimatpflegers hätte. „Ja“, lautete meine Antwort.

Haben Sie sich Ziele gesetzt?

Konkrete Aufgaben habe ich noch nicht definiert. Ich möchte eher nach dem Leitfaden des Westfälischen Heimatbundes vorgehen, wonach Ortsheimatpfleger eigenverantwortlich die inhaltlichen Schwerpunkte ihrer Arbeit festlegen. Grundsätzlich ist mit die Sichtung und Aufarbeitung älterer Unterlagen über Dankersen schon sehr wichtig, wobei die Dokumentensammlung von Siegfried Nolte einen guten Ansatzpunkt bildet. Die Dankerser Chronik, die bis Anfang der 1980 Jahre vorliegt, würde ich ebenfalls gerne fortschreiben. Mittelfristig möchte ich eine Art Informationsveranstaltung mit Bezug auf die Dankerser Geschichte und auf neue Erkenntnisse aktueller Forschung anbieten. Und bin offen für weitere Ideen.

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Heimat?

Heimat steht für vieles, was auch für Dankersen mit seinem dörflichem Charakter gilt. Man lebt dicht beieinander, man kennt sich, teilweise seit Generationen. Für andere ist Dankersen nur für eine bestimmte Lebensphase der Mittelpunkt. Insgesamt erlebe ich Dankersen als einen Ort im Wandel, wo sich Wohn- und Baustrukturen ebenso ändern wie das Vereinsleben oder nachbarschaftliche Beziehungen. Ich würde gerne dazu beitragen, dass Kontakte zwischen Alteingesessenen und Neubürgern entstehen oder altes Brauchtum und neue Kulturen sich gegenseitig ergänzen und bereichern. So kann vielleicht ein neues Heimatgefühl entstehen.

Sehen Sie sich als lokaler Netzwerker?

Obwohl ich aus Dankersen stamme, möchte ich meinen Bekanntenkreis im Ort als überschaubar bezeichnen. Das darf sich gerne ändern. So werde ich weiterhin Kontakt zu den Dankerser Mitbürgern suchen. Dabei kann es sich um einen einfachen Gedankenaustausch handeln oder um die Aufnahme geschichtlicher Informationen über Familien oder Hofstätten, mit denen sich die  Ortsgeschichte erweitern lässt. Kontakt
OHPdankersen@web.de
oder (05 71) 3 88 06 31.

Text: S. Otterbeck / Foto:U. Gai